Dienstag, 1. Dezember 2015

San Carlos - El Rama - Bluefields im Chickenbus oder ähnlich beklemmende Panga

In der Nacht vom Sonntag zum Montag werden um 4:00 die Kirchglockem geläutet und zwischen 4-5:00 direkt neben uns zahllose Chinaböller gezündet. Arno schläft, aber für mich ist die Nacht gelaufen. Um 8:15 machen wir uns zum Bus auf, für den wir gestern schon die Tickets gekauft haben.9:00 geht's los mit dem Chickenbus-welch ein Abenteuer. Es dauert 15min, bis wir alle fliegenden Händler los sind, Passanten am Wegesrand eingesammelt haben und uns die Geschichte über menschliche Parasiten angehört und die dagegen helfenden Tabletten gesichtet haben. Der Bus nimmt erst 9:20  richtig Fahrt auf (obwohl die Señora mit den Tabletten immer noch neben mir steht und einer mit Süßigkeiten gerade noch rein kam) Na kein Wunder, dass er 6-7h für die 350km brauchen. Tickets werden 9:30 kontrolliert. Der Gang steht voller Leute, die anscheinend nur ein kurzes Stück mitfahren. An der Roundabout puente de los Argentinas halten wir mitten im Kreisverkehr, vorher noch laut Hupen. Langsam werden die Stehpassagiere weniger aber wir halten gefühlt immer noch an jeder Kaffeekanne. 10:10 steigt der nächste Agitator ein und hält uns eine Flasche Red Bull vor die Nase und erklärt uns, was wir alles schlimmes zu uns nehmen. Ich denke erst, der ist von einer Glaubensgemeinschaft, so mit Krawatte und so, aber auch der will und nur Vitamine und Magenaufräumer verkaufen. Mittlerweile laufen auch Musikvideos am Flatscreen. Und wieder hüpfen ein paar Stehpassanten an Bord, ganz vorne der Nico mit Gummistiefeln und einem extrem breiten Lachen. Manche Zusteigende sind hellhäutiger, schlanker, andere extrem breit, dick und mexikanischer/ indigener aussehend. Ein älterer Hungerhaken tanzt im Gang oder versucht mit Ana Barbaras Hüftbewegungen mithalten zu können. Es gelingt ihm nicht ganz in seinen Gummistiefeln.Viele haben herrlich golden oder silbern eingerahmte Schneidezähne, auch schon junge Leute. Na wenigstens nicht volle Goldzähne, wie in Russland. Das Geheimnis dahinter sind breite Brücken. Tja, Implantate kann man sich hier nicht leisten. Gg. 11:30 schafft es doch der gummibestiefelte Tänzer, sich auf die Sitzkante neben mich zu setzen. Ich schiebe ihn vorsichtig aber bestimmt runter. Der Bus ist wieder voller mit Stehgästen. Wahrscheinlich nähern wir uns einer größeren Stadt. Die Route ist angeblich auch die Rauschgift-Route nach USA und manchmal riecht es auch verdächtig nach Gras, aber Rauchen ist verboten an Bord. Uns überholen auch Laster voll mit Kühen in einem Affenzahn, nicht ohne ein quittierendes Konzert von unserer Lufthupe zu bekommen. 12:30 steigt der Nächste mit einem laminierten Bild der Leber zu uns und versucht uns von der Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln zu überzeugen - auch eine Art, Spanisch zu lernen. Arno fragt auch schon, was empanadas, churros oder gandilla sind, je eindringlicher die Tonation der Verkäufer, umso einprägsamer.Die Straße ist erstaunlich gut ausgebaut, dafür dass sie quasi in den Dschungel nach Osten führt und keine Nord-Süd-Verbindung ist.Grüne Wiesen mit Kühen und Zuckerhut-Berge ziehen an uns vorbei, Wellblechhütten, Täler und über allem ein azurblauer Himmel mit weißen Zuckerwattewölkchen. Der verrückte Opi mit den Gummistiefeln hat uns nun endlich verlassen. Er wusste gar nicht, welche Tasche zu ihm gehört und die Busbegleiter frugen erst alle anderen Passanten, obndie wirklich keinem anderen gehört, bevor sie ihm seine Tasche hinterher reichten. Vielleicht hatte er etwas zu viel von seiner Ware konsumiert?!13:30 sind wir in Quetzal und der 5. verkauft Vitamine und Parasitenbekämpfungsmittel. Es ist kurz vor 14:00 als Rama mit 7km ausgeschrieben ist. Das war wohl Muelle ... Und die km-Angabe vertauscht. Es ist nämlich 15:10 als das erste Schild mit Rama auftaucht und erst 15:30 sind wir am Ziel, Busbahnhof würde ich das nicht nennen. Die ersten beiden Typen, die ich nach dem Weg zum Muelle/ Hafen frage verstehen mich nicht oder wollen mich nicht verstehen. Sie erzählen mir was von 1h zu Fuß von Pangas ... Irgendwann laufen wir einfach los. Ein Hotel ist ausgeschildert aber leider finde ich es in der Richtung nicht. Dafür frage ich diesmal eine nette Dame und die schreibt mir ein Hotel auf, was angeblich direkt am Muelle liegt und sogar Tickets für die Pangas nach Bluefields verkauft. Das Hotel ist ringsum eingezäunt, hat einen Parkplatz im Innenhof und passable Zimmer für 200 Cord = knapp 7€. Allerdings sind die 6 Pangas für Di schon alle voll. Ich soll 6:30 nochmal fragen. Haben wir die Rush Hour erwischt odr wo kommen die 150 Leute für 6 Pangas her?17:10 beziehen wir endlich das Hotelzimmer und suchen uns was zu Essen. Um die Ecke gibt es Hühnchen für Arno und lengua (Zunge) für mich. Nicht berauschend, aber okay für 180 Cor (reichlich 6€). Da hat es bei Roxana besser geschmeckt.








Auch in
Rama krähen um 3:00 die ersten Hähne. Um 3:45 landet ein Chickenbus direkt vor unserem Fenster mit vorwiegend schwarzen Passagieren. Lautstark wird entladen. Ich bin wach. Der komplette Hof ist bevölkert. Als ich runter gehe, steht schon eine Schlange im Office, wo mir die Dame beim Check-In sagte, ich könne 6:30 nochmal nachfragen, ob noch ein Platz in einer Panga nach Bluefield zu haben ist. Und es sind tatsächlich an die 150 Leute, nebst Hahn und Huhn. Alle haben rosa oder blaue Quittungen, mit denen sie sich für die Weiterreise autorisieren. Zwischen all den Schwarzen mache ich 3 weiße Jungs, Mitte/ Ende 20 aus, die offensichtlich Rucksackreisende sind. Na mal sehen, ob ich heute noch ne Panga flussabwärts kriege, denn sonst war es das für diese Woche. Angeblich fahren die nur Di und ??
6:00 geh ich nochmal runter zum Office, keine Schlange mehr und ich kaufE (nach Registrierung unserer beider Pass#) für 250 Cord. ein Ticket für Arno und mich und soll gleich zum Boot gehen. Arno hat sich zum Glück zwischenzeitlich schon alleine angezogen und huckelt seinen Rucksack. Die Boote erinnern mich frappierend an die Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Die Rucksacktouris stehen auch noch da, deutsche und noch ein Mädchen aus München. 6:40 sitzen wir alle zusammengepfercht in einem Boot, 4 in einer Reihe á 5 Reihen. Hoffnungslos überladen und das 2h??? Ich dachte, wir könnten auf der Fahrt Caimane gucken ... Wird wohl eher nix !! 7:00 legt das Boot ab und fährt mit full Speed den River runter. Das Baby vor uns bekommt Opas sitzkissen als Windschutz spendiert, Arno taucht zwischen meinen Beinen ab und mir zauselt der Wind durch Haare und Gesicht. 8:30 landen wir sicher und ordentlich durchgepustet in Bluefields, wo die Bevölkerung schon merklich schwarzer ist aber auch sehr exotische Mischungen herumlaufen, groß, mit Grün-hellbraunen Augen...  






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