Donnerstag, 14. Januar 2016

Cuba

Am Montag, dem 4.1. sind wir 18:15 nach 2,5 h Flug pünktlich und wohlbehalten in Havanna gelandet. Es mussten viele Papiere zur Emigration ausgefüllt werden und wir standen rel. lange am Kofferband, weil mein Rucksack recht spät kam. Wir haben uns dann durch den Schilderwald der abholenden Touri-Organisationen bewegt und gleich ein Taxi bekommen, weil Fischi sehr rigoros  das 1. Angebot von 30Cuc ablehnte und in Kennermanier 25 sagte. Wir fahren in einem HundAy, keinem Lada oder charmant bollerndern alten Dodge. Keine 30 min später waren wir am Che Guevara und Cienfuego Konterfei vorbei in unserer Casa Particular bei Roul gelandet. Der hatte mir per e-mail gesagt, wir sollen nicht am Flughafen tauschen, sondern erstmal ankommen, er zahlt das Taxi. Ich vermutete eigentlich, er will selbst mit uns tauschen, aber nein, er hat das nur gemacht, dass wir uns abends am Flughafen nicht noch nach Geld anstellen müssen. Sehr rücksichtsvoll und kundenorientiert, denn was nach Geld anstehen und keins bekommen bedeutet, sollen wir am Di erfahren. Ich bekomme aus keinem der 4 angesteuerten Automaten, noch am Bankschalter Geld. Fischi ist da mit der noch in letzter Minute zu Haus eingerichteten Dkb-Visa-karte erfolgreicher und schafft es zumindest in 2 Anläufen 800Cuc abzuheben für 24Cuc Gebühren. Der Kurs ist dem $ angeglichen und fast 1:1. Unsere Postbank-Karte funktioniert im Kommunismus leider gar nicht und ich stelle erst Zuhause im Gespräch mit Roul fest, daß meine zweite Kreditkarte ja von der Citibank ist, ein amerikanisches Unternehmen und somit dem gegenseitigen Embargo unterliegt. Also die kann ich gleich ganz weit weg packen! Ich habe dann noch in einem dieser großen Hotels am 'Parque Central' versucht, mich bei meiner Bank einzuloggen, was erstmal extrem langsam ging und dann auch erfolglos war, weil ich meine Login -Daten nicht zur Hand hatte. Wenn man einen Mindesttagessatz von 100Cuc für uns 4 zugrunde legt, müssen noch mind. 3x soviel Geld erstehen.
Unsere Casa ist unweit des Prado und der Festung in einer Nebenstraße 'Consulario', wo abends noch ein bisschen Party durch die Fenster klingt und wir morgens von den Rufen der fliegenden Händler geweckt werden. Wir haben für 50Cuc quasi eine ganze Wohnung für uns, mit 2 Schlafzimmern, 2 Bädern, Küche, Diele und Wohnzimmer. Leider ist der Ausblick im EG sehr begrenzt. Für 15 zusätzliche Cuc bekommen wir von Elisabeth, Rouls Schwester ein leckeres Frühstück serviert mit frischem Obst, Smoothi, Kaffee, Omelett, Brot und ein paar süßen Teilchen. Abendessen können wir in der Casa gegenüber - 15Cuc für 2 Portionen von denen 3 satt werden, da kann man eigentlich nicht meckern. Und wir frieren. In Havanna hat es durch den Küstenwind bzw. eine Kaltfront, eine angenehme Frische, dass Arno sogar seinen Flies anzieht, wir Mädels in langen Jeans rumrennen und selbst Fischi über sein Achselshirt noch ein T-Shirt zieht. Überhaupt hängen wir wohl klimabedingt am Dienstag alle ziemlich in den Seilen.
Mittwoch wandern wir den ca. 2km langen Malecon entlang bis zum Maffia-Hotel 'National'.
Es ist schon ein besonderes Gefühl, durch die bunten hohen teilweise makaber zerfallenen Häuser zu laufen, den Klang von einer 2-takter MZ oder das Röhren eines der alten amerikanischen Schlitten oder auch das Hufe-Klappern einer Pferdekutsche im Ohr. Die Menschen sind von ganz schwarz über zart-braun mit grünlichen Augen bis blond und hellhäutig eine bunte Mischung aus allen concuistadoren, die diese Caribicinsel zeitweise besetzten oder auf ihr ihre Piratenbeute lagerten. Ich stelle fest, dass nicht Kuba meine Kreditkarte blockiert sondern ich bei der Benutzung der vielen Karten 3x den falschen Pin eingegeben habe. Zum Glück kann ich das mit dem verbleibenden Internetguthaben online selbst korrigieren und auch Geld abheben. Das sollte für die 10 Tage Mietwagen reichen.
Donnerstag steht Havanna Viejo (die Altstadt) auf dem Programm. An diesem Abend gönnen wir uns noch einmal 2 Gerichte in der Casa gegenüber. Ich nehme Langusten für 10Cuc und die Kinder Fisch für 7Cuc. Leider gibt es keine Limonade für die Kinder, sondern nur Cola, was ich zu so vorgerückter Stünde nicht genehmige. Das angebotene Wasser ist abgekocht und im Kühlschrank gelagert und angeblich besser, als das Flaschenwasser. Ich zögere kurz, Petras Krankheitsverlauf im Hinterkopf, stimme dem Einschenken aber zu. Für mich gibt es ein Bukanero-Bier. Etwas später halber Haus-papa dann doch noch Limonaden aus der Dose organisiert, auf die sich Arno freudig stürzt, Aimee hat schon ein Glas Wasser hinter und leert auch noch das übrige von Arno. Es bleibt nicht folgenlos, sondern in dieser Nacht entleert sich unser großes Kind komplett und weiß zeitweise nicht, ob sie vor der Schüssel knien oder auf ihr sitzen soll. Sie ist auch die folgenden Tage bei ihrer Speisen- und vorallem Getränke-Wahl sehr vorsichtig! Den Arno erwischt es dann einen Abend später aber nur vorne raus.


Am Freitag, den 8.1. Nehmen wir bei Transgaviota unseren Mietwagen in Empfang, eine chinesische Limosine der Marke BYD. Es regnet in Strömen, als wir bei Roul einpacken und entsprechend sehen auch die Straßen aus: riesige Pfützen, um nicht zu sagen Seen und teilweise reißende Flüsse, die gar nicht mehr passierbar sind. Wir fahren nach Südosten - fernstes Ziel ist Baracoa. An diesem Freitag fahren wir aber nur bis Playa Giron, wo Roul uns schon am Vorabend bei Luis ein Zimmer reserviert hat, was wir allerdings nur inkl. 2 Frühstück und 2 Abendbrot (also Halbpension) für insgesamt 69Cuc bekommen. Das Nest ist ziemlich tot und direkt am Strand liegt ein zerstörtes ausgestorbenes Bungalow-Dörfchen. Wir wandern auf den Überresten einer Strandpromenade entlang und springen noch kurz ins Wasser, bevor es erneut regnet. Luis Portionen sind wirklich mehr als ausreichend für uns 4. Seine 2 jungen Kellner etwas überengagiert und -etikettiert (mit ihren Krawatten und den 8x Nachfragen, ob alles okay ist).
Samstag fahren wir am Castillo de Jagua vorbei nach Cienfuegos, dem Paris Kubas. Kurz vor der spanischen Festung passieren wir die Geisterstadt 'pueblo nucleo', wo der große sowjetische Bruder in den 80ern ein Kernkraftwerk begonnen hat zu bauen und auch schon zu 80% fertig hatte, es aber dann 89 wegen des Zusammenbruchs der Union hat stehen und liegen lassen. Überhaupt markiert der Rückzug der Russen den dramatischsten Einschnitt, den Kuba je erlebt hat.
Wir fahren in Cienfuegos gleich durch bis zum südlichsten Zipfel, dem Punta Gorda und lassen die Kinder kurz zu Wasser. Auch von hier kann man den Atommeiler auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht sehen. Weiter geht die Fahrt zur Laguna Guanaroca, wo wir schonmal abchecken,  wann die morgens öffnen und wo wir hier übernachten können. In der Lagune gibt es nämlich die rosa Flamingos, die wir uns mal ansehen wollen. Man schickt uns ein Stück weiter, in Restaurant/ Hotel 'Neo', kurz vor Rancho Luna, wo wir am Strand noch ein Bad nehmen.
Sonntagfrüh gibt es 7:30 Frühstück, dass wir 8:30 so ziemlich die ersten sind, die mit einem Paddelboot über die Lagune gefahren werden, die an der tiefsten Stelle vielleicht gerade 2,50m hat.
Weiter geht es nach Trinidad, der geschichts- und museumsträchtigsten Stadt Kubas. Die Anzahl an Touri-Strömen spricht Bände. Am Eis-Stand lernen wir Rolando oder Pico kennen, der 8 Jahre in Halle war und mit 2 Neckermann-Touris aus Bitterfeld unterwegs ist. Der erzählt uns gleich seine Geschichte und gibt uns noch ein paar Tips nebst Adressen für unsere Weiterfahrt. An diesem Abend fahren wir noch bis 'La Boca', dem ersten Ort auf der weiter süblich von Trinidad liegenden Sttandabschnitts. Wir finden bei Guillo und Viola eine 2-Zi-Wohnung mit Balkönchen und Ausstieg direkt zum Meer und versorgen uns das erste Mal selbst. Abends gibt's diesmal nix und zum Frühstück bereite ich die aus Panama mitgebrachte Pancakes-Mischung mit Obstsalat. Dazu muss man sagen, dass die fein sortierten kubanischen Geschäfte sehr an sozialistische Mangelverwaltung erinnern: es gibt jede Menge Rum, Tomaten in Dosen, buntes Pulver für Getränkemischung, Bonbons. Kekse gibt es nur selten und die Eistruhen, über denen immer leckere Bilder der erHäftlingen Eissorten hängen sind durchgängig leer und das mitten in der Caribic!
Montag fahren wir den Playa Ancon, den als schönsten Strand an der Südküste Kubas bezeichneten Strand entlang und halten mittendrin an einer einsamen Stelle für 2h. Wir schnorcheln durch die flache weißsandige Küste. Fischi ist gleich im Adamskostüm rein und hatte abends ein Paviankostüm. Arno hat die größte Korallenfestung ever gebaut und Aimee die letzten Unterwasserfotos mit ihrer Kamera geschossen (jetzt brummt sie nur noch). Eigentlich wollten wir an dem Tag noch bis Camagüey fahren, machen aber gg. 17:00 in dem 35km vorher gelegenen Florida Halt. Auf der Suche nach dem im Lonely Planet gelisteten Hotel finden wir die Casa von Acelia und Marco und Fischi handelt mal wieder in Kennermanier den Preis von eingangs 40Cuc auf 30 runter für 2 Zi mit je einem Bad und für 16 bekommen wir noch ein halbes Schwein auf Reis zum Abendessen und für 9 Frühstück, leider ohne Kaffee, aber das verringert die Pinkelpausen ungemein.
Dienstag nochmal einen Hammerritt bis Santiago de Cuba. In Camagüey fahren wir fotografierend durch und Mittag machen wir in einer Raststätte am Rand der Carretera Central. Das ist auch ein Erlebnis der besonderen Art, wie Cuba seine Touristen abzockt - Beschreibung gibt's später.
In Santiago kommen wir bei einem Kumpel von Pico unter, unweit der Casa, wo Fidel seine Revolution startete. Überhaupt ist Santiago die Hauptstadt der Kubanischen Revolution. Für uns geht sie als Stadt der MZ ins Reisetagebuch ein. Man meint durch Zschopau in seinen besten Zeiten zu wandern und dem Gründer der erzgebirgischen Motorenwerke würde das Herz übergehen, im Anblick der wie aus dem Ei gepellt hier durch die Straßen knatternden 250er, 150er, ES, 251...  darunter auch viele Javas und Ural-Gespanne. Ansonsten ist die Stadt überfüllt von Händlern und potentiellen Stadtführern, die einem alle etwas verkaufen wollen. Nach einem kurzen abgashaltigen Spaziergang zum Malecon und retour in die Stadt, schwingen wir uns am Mittwoch ins Auto und fahren weiter nach Baracoa, unserem süd-östlichsten Ziel auf der Insel.
Diese Fahrt führt durch recht abwechslungsreiche Landschaft, von Steppen entlang der steinigen wellenumtosten Küste, dem recht kurvigen Berge des Farol-Gebirges, in dem uns frische Bergluft durchs Autofenster weht.






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